Manchmal ist die Hälfte genau richtig! Das „Ein Halb“ Musikvideo

Ich muss schon sagen, ich bin ein wenig stolz auf mein neuestes Werk, das Musikvideo zu „Ein Halb“ von Körrie Kantner und der Not So Bigband. Eine Mischung aus klassischem Bandvideo und Foto-Slideshow (der Coolness wegen auf einem iPad präsentiert). Grooviger Sound und nette Story, was willste mehr.

Wie bei Kleinproduktionen üblich, hat sich die Arbeit auf wenige Häupter verteilt, und die meine war das Drehbuch, die Regie, die Fotos und die Organisation der Produktion. Neben einem weiteren Zusatzakku für meine Olympus heißt das wie immer: Excel-Sheets bis zum Abwinken. Kaum zu glauben, dass ausgerechnet kreative Prozesse dieses stinkendlangweilige Tool so dringend benötigen!

In zwei Drehtagen und zwei weiteren Tagen Fotografie wurden Unmengen von Material geschaffen, von denen jedoch nur etwa ein Hundertstel den viermonatigen Weg in den Film geschafft hat. Da keine der Einstellungen länger als zwei Sekunden ist (die meisten sogar deutlich kürzer), bleiben sogar von den großartigen Szenen nur Bruchstücke übrig. Nach unzähligen Tagen mit Konzeption, Organisation, Postproduktion, Photoshop und Reviewschleifen.

Die Computerfestplatte nach einem Musikvideodreh darf man sich in etwa vorstellen wie das Festivalgelände am Ende einer riesigen Casting-Show: Die Lichter sind längst aus, die Müllabfuhr nimmt ihre Arbeit auf. 8 Stunden Band-Videomaterial liegen, ihrer besten Stücke gefleddert, in der digitalen Gosse des riesigen Speichermediums: Sie haben es nicht in den Film geschafft. Ihre einzige Hoffnung auf ein kleines Stück vom Ruhm ist, als Outtake auf dem Bonus Track der DVD zu landen, in die Freakshow der missglückten Filmaufnahmen. Oder, etwas weniger peinlich, aber auch quasi unbeachtet, ins Making-of.

Neben den Videodateien vegetieren 700 enttäuschte Fotos, meist im speicherfressenden Raw-Format, die meisten unbearbeitet, einige nur einmal durchgeblättert und dann verworfen. Ausschuss ist etwas Furchtbares. Aber langweilige Videos auch.

Da haben es die etwa 60 Requisiten besser: sie sind meist geliehen, wurden pfleglich behandelt, und stehen schon längst wieder im heimischen Wohnzimmer des großzügigen Spenders, im Theaterfundus oder, wie im Falle der Buddha-Statue, im Friseursalon. Aber auch hier gibt es solche, die zwar unter großem Aufwand hergestellt (eine Geschenkpackung mit schöner roter Schleife) oder besorgt (ein Nummernzettel vom Arbeitsamt oder eine Darth-Vader-Maske) worden sind, aber am Ende aus dem Video herausgenommen wurden, um mehr Ruhe hineinzubringen.

Viele nette Leute haben geholfen: allen voran unser Filmer Florian mit seinem dramaturgischen Gespür, der uns beibrachte, dass die Totale nicht nur total, sondern auch total langweilig ist. Und eine ganze Reihe an Besitzern skurriler Gegenstände und Musikinstrumente (man beachte den geilen roten Ferrari-Babykontrabass und das Sousaphon), die sich kurz von diesen trennten, damit wir sie als Requisiten nutzen konnten. Die Karikaturen der beiden Protagonisten hat uns Roger gezeichnet, dessen Bilder normalerweise in Hochglanzzeitschriften prangen. Wir kriechen also im Staub vor Demut.   ;-)    Wer Interesse an den vollständigen Credits hat, da sind sie zu lesen.

So, und bevor ich nun weitere Excel-Sheets eröffne bezüglich der weiteren Verwendung des Videos, werde ich erstmal ein gutes Bier — ein Kleines nur, ein Kleines! — öffnen.

Und dann noch eines, denn manchmal ist die Hälfte einfach viel zu wenig.

2 Gedanken zu „Manchmal ist die Hälfte genau richtig! Das „Ein Halb“ Musikvideo“

  1. Wer ist denn dieser „Apple“? ;-) Nee nee, alles clean, zum Glück ist das Dings so designed dass kein Markenname zu sehen ist.

    Viel anstrengender war es, alle Bierflaschen und Requisiten zu anonymisieren… gibt’s da nicht’n Plugin für?

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