Kompositionslehre



Ein namhafter Besprechungskeks­hersteller schmückt seit neuestem sein Oeuvre „Selection“ mit einem Hinweis auf eine „verbesserte Komposition“.

Ich bin mir nicht sicher, ob die Schöpfungshöhe einer Kekspackung diese Wortwahl wirklich rechtfertigt, stelle jedoch fest, dass Kompositions­verbesserung viel zu wenig betrieben wird. Mir fallen aus dem Stegreif eine ganze Reihe Kompositionen ein, die stark verbesserungsfähig wären.

Da gibt es klassische Komponisten, deren Werke, nun ja, „für ihre Zeit innovativ und überwältigend waren“ — mit anderen Worten, nicht zu gebrauchen. Hin und wieder nimmt sich in der Tat jemand einem solchen Werk an und pfriemelt solange dran rum, bis es einigermaßen klingt. Jedoch steht dann auf dem Notenheft meist etwas wie „153., vollkommen überarbeitete Auflage“. Viel werbewirksamer wäre doch da ein kleines Fähnchen „verbesserte Komposition“!

Ich denke, für Kompositionsverbesserer gibt es viel zu tun. Jeder, der einmal das Autoradio angeschaltet hat, kann dies bestätigen. Sofern er in dem knappen Zeitfenster zwischen Radiostationsjingle und Zuhörervotingwerbung ein versehentlich eingestreutes Stück Musik wahrnehmen konnte.

Bei der sehr sorgfältigen Analyse des Kekspackungsinhalts konnte ich übrigens keinen entscheidenden kompositorischen Eingriff in den Urtext der „Selection“ feststellen.

Jetzt ist mir schlecht.

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