Guten Tag, haben sie meine Verkäuferkarte?

Ich habe mich entschieden: Ich werde es nun wie alle großen Einzelhandelsunternehmen machen. Ich führe analog zur Kundenkarte eine "Verkäuferkarte" ein. Da werden sich die Läden freuen, denn das zahlt sich für sie aus: wenn ich an der Kasse im Super-, Bau- oder Drogeriemarkt an der Schlange anstehe, um mir dort meinen Joghurt, meine Packung Dübel oder meinen Badeschwamm zu kaufen, und mir der Kassierer seine Ravn-Verkäuferkarte vorzeigen kann, zahle ich ihm 10% mehr! Wirklich! Das ist geschenktes Geld, das darf sich doch ein wirtschaftlich denkendes Unternehmen nicht entgehen lassen.

Die Teilnahme ist ganz einfach. Der Kassierer muss nur auf einem Formular seine kompletten Adressdaten, Telefonnummern, Geburtsdatum und ein paar weitere marketingrelevante Daten (vielleicht Familienstand, Einkommen und (bei Damen) Körbchengröße) eintragen. Das kann er einfach machen, während ich an der Kasse warte. Die nachfolgenden Kunden werden Verständnis haben, dass für Verkäuferbindungsmaßnahmen Zeit sein muss.

Die Daten werden von mir selbstverständlich streng vertraulich behandelt, vorsichtshalber lasse ich aber den kleingedruckten Passus stehen, der es in begründeten Ausnahmefällen erlaubt, die Personendaten fast anonymisiert an gute Kumpels weiterzugeben, z.B. im Rahmen eines facebook-Posts, oder sie als CD zu verkaufen, oder einfach so.

Ich werde also bei meinen nächsten Einkäufen jedesmal den Verkäufer zum kostenlosen (!) Erwerb einer Verkäufer-Vorteilskarte anhalten. Wenn der Verkäufer Nein sagt, werde ich ihn beim nächsten Betreten des Ladens trotzdem wieder fragen, schließlich kann ja keiner erwarten, dass ich mir merke, wen ich schon alles gefragt habe! Wenn er sich beschwert, sage ich, die Anweisung zur Frage nach der Karte kommt von meiner Frau, und die kontrolliert das durch verdeckte Prüfer unter den Kassierern, und wenn da Nachlässigkeiten meinerseits zutage kommen, schmeißt sie mich raus.

Meine Vermutung ist ja, dass sich trotz dieses lukrativen Angebots die wenigsten Verkäufer auf den Erwerb der Verkäuferkarte einlassen werden. Die Antworten werden wahrscheinlich (in Reihenfolge der Häufigkeit der Nennungen) lauten:

  1. "Wie bitte? Ham Sie’n Knall?"
  2. "Das geht Sie gar nichts an. Lassen Sie mich mit dem Quatsch in Ruhe."
  3. "Wenn wir das für jeden Kunden machen würden, hätten wir ganz schön viele Karten und würden durcheinanderkommen."
  4. "Ich habe Ihnen das letzte Mal schon gesagt, dass wir das nicht machen."
  5. "Für so was habe ich jetzt keine Zeit."
  6. "5% mehr Geld klingt gut, da mach ich mit." (Aber in die Daten schreibe ich einfach irgendeinen Scheiß rein.)

Zufällig deckt sich diese Aufzählung ziemlich genau mit der Meinung der Kunden zum Thema "Kundenkarten". Da der Einzelhandel aber an diesem Bindungswerkzeug begeistert festhält, kann es so schlecht nicht sein, und ich sehe das einfach etwas unentspannt. Schaun wir mal.

Ich rechne damit, bei einer gewissen Penetranz meinerseits in den Läden Hausverbot zu bekommen. Liebe Läden: übertragt bitte einmal das Bild von der Verkäuferkarte auf Eure Kundenkarte, und denkt nach, was dort die Analogie zum Hausverbot ist.

Danke.

Euer ehemalige Kunde

Ein Gedanke zu „Guten Tag, haben sie meine Verkäuferkarte?“

  1. Ich würde gern noch ein paar Antworten auf die Antworten (in der Reihenfolge der Häufigkeit der Nennungen der Erstgenannten) anfügen, die rein „marketing“technisch lauten könnten:

    1. „Wie du mir, so ich dir.“
    2. „Wieso denn? Sie haben doch mit dem Quatsch angefangen!“
    3. „Ja, das ist auch das vierte Portemonnaie, das mir explodiert ist.“
    4. “ Und ich habe Ihnen schon das letzte Mal gesagt, dass mich das einen Scheiß interessiert.“
    5. „Sie sind ein Gänseblümchen, Sie sind ein Gänseblümchen…“
    6. „Whoops! Da ist Ihnen wohl ein Fehler unterlaufen (die mit * gekennzeichneten Felder müssen ausgefüllt werden, und zwar korrekt)

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